Objekt

Schamtuch mit roter Stickerei

Ein Schamtuch, wie es hier zu sehen ist, besteht aus einem etwa körpergroßen umlegbaren Tuch (hier aus gebleichtem Leinen) mit einer ausgeschnittenen Öffnung in der Mitte. Diese Öffnung war für Geschlechtsteile vorgesehen, da solche Tücher wohl zumeist zu medizinischen (Demonstrations-) Zwecken Verwendung fanden. Vereinzelt kann eine Nutzung im privaten Kontext als "Koitustuch", vor allem in streng christlichen Haushalten um 1900 jedoch nicht vollständig ausgeschlossen werden. Der hier vorhandene rote Zierstich an den Säumen des Tuches deutet jedoch auf eine sorgsame Gestaltung und Verzierung hin. Gerade im Zusammenhang zur schambehafteten bürgerlichen Sexualmoral der späten Gründerzeit ist das Verhüllen aller nicht notwendig sichtbarer Körperteile durch solche Tücher durchaus vorstellbar. Zeitgleich herrschte im europäischen Bürgertum ein breites Interesse an (medizinischen) Kuriositäten und Experimenten, weshalb das Tuch auch im Ausstellungskontext Verwendung gefunden haben könnte. Ob die weiße Farbe des Tuches je nach Nutzung eine symbolische Bedeutung trägt, lässt sich leider nicht bestimmen.

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