Rezepturwaage (Apotekerwaage, Balkenwaage)
Große Rezepturwaage: Die Waage ist eine klassische, auf einem dunkel gebeizem Holzkästchen aufgeschraubte Balkenwaage aus der Nachkriegszeit, die bis Ende der 1960er Jahre in Gebrauch war. Das Holzkästchen besitzt 2 Fächer in denen sich Gewichtssteine befinden. Die Waage ist vom Prinzip her eine Kombination eine den Massevergleich nutzenden Balkenwaage und einer Zeigerwaage. Der Zeiger befindet nicht sichtbar innerhalb des Ständers und bewegt sich über einer durch ein Fenster sichtbare Skala. Die Waage ist so konstruiert, dass über dem Drehpunkt ein langer Zeiger (das sprichwörtliche Zünglein an der Waage) angebracht ist, der bis zum Fuß der Waage reicht und dort vor einer kleinen Skala pendelt. Er ist sehr leicht, so dass er im Vergleich zu den Waagschalen nur einen sehr kleinen Beitrag zum Drehmoment liefert. Die Wägung kann nun mit zwei verschiedenen Gewichtsbestückungen auf den Waagschalen durchgeführt werden, die sich beispielsweise um ein Milligramm unterscheiden. Nach dem Ablesen der Zeigerstellungen von der Skala kann durch Interpolation das Gewicht berechnet werden, das der Zeigernullstellung entspricht. So kann eine zusätzliche Kommastelle (geltende Stelle) des Wägeergebnisses ermittelt werden, die im Beispiel eine Genauigkeit von Zehntelmilligramm ermöglicht. (Quelle: Wikipedia Balkenwaage) Interessant ist die Punzierung dieser Waage: Am linken Waagebalken befindet sich zuerst das Firmenlogo des Unternehmens "August Sauter, Ebingen" . Rechts neben diesem ist der Stempel des Eichamts. Bedeutung der Codes dieser Punzen: "22" -> Eichaufsichtsbezirk Stuttgart "D.R. im geschweiften Band" -> "Deutsches Reich", die Markierung wurde erst 1975 Jahren von "D.R." auf "D" umgestellt "8" -> Eichamt Ebingen Der * zwischen D und R bedeutet, dass es sich um die Eichung einer Präzisionswaage (Feinwaage) handelt. Noch weiter rechts befinden sich die Stempel mit der zweistelligen Jahreszahl bis zu der die Waage bei jeweils 2 Jahre gültigen Eichzyklen für den gewerblichen Einsatz zugelassen war. Die Stempel bedeutet, dass die Waage erstmals 1956 geeicht wurde und bis 1968 für den gewerblichen Einsatz zugelassen war. Die letzte Eichung erfolgte 1991 für den Zeitraum bis 1993 und ist durch einen Aufkleber unten am Ständer dokumentiert. Die Gewichte, die nicht unbedingt alle zur Erstausstattung der Waage gehören müssen, wurden für unterschiedliche Gebrauchsphasen geeicht. Die meisten erstaunlicherweise länger als die Waage selber. Der Beginn der Eichung war von 1937 bis 1993. Mit Ausnahme des 200g Steins und des 500mg Blättchen fand die erste Eichung stets durch das Eichamt am Firmensitz des Herstellers statt. Wir bedanken uns beim Landesamt für Mess- und Eichwesen Rheinland-Pfalz für die Informationen zum Eichwesen.